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Diese Überschrift ist doch eher
unüblich. Wesentlich geläufiger, weil immer wieder mal in
Leserbriefen auftauchend, ist die vorwurfsvolle Beschreibung, der
„Schwierigkeiten, aus dem Dachauer Tierheim einen Hund zu bekommen“.
Der Hund steht hier übrigens nur stellvertretend. Es könnte genauso
gut eine Katze, ein Wellensittich oder ein Kaninchen sein, irgendein
Tier eben; die eine oder andere Bedingung wäre lediglich zu
ersetzen. Aber bleiben wir mal beim Hund.
Wie kam er ins Tierheim?
Gleichgültig ob als Abgabetier, gefunden oder aufgrund
irgendwelcher, für das Tier meist nicht besonders positiver Umstände
zwangsweise weggenommen. Jeder dieser Hunde bringt seine eigenen
Erfahrungen, seine eigene Sozialisation, kurz seine ureigenste
Geschichte mit. Von manchen ist sie bekannt, von anderen muss sie
aus dem Verhalten erschlossen werden. Jede neue Situation verändert
die Geschichte des Hundes. Da unterscheidet er sich in keiner Weise
vom Menschen. Der Hund macht weitere, andere, neue Erfahrungen im
Tierheim, mit seinen dortigen Bezugspersonen, mit seinen Gassigehern,
mit den Besuchern, die von ihm Notiz nehmen, sich vielleicht auch
kurz mit ihm beschäftigen. Er wird ebenso in einem neuen Zuhause,
mit den dortigen Menschen, Tieren und anderen Umgebungsbedingungen
weitere Erfahrungen machen, die ihn beeinflussen, ihn vielleicht
verändern.
Der Hund ist uns Menschen
ausgeliefert. Jetzt soll dieser Hund ein neues Zuhause bekommen.
Nicht irgendeines, wir wollen den Hund nicht „loskriegen“, sondern
ein gutes, geeignetes Heim mit den entsprechenden Menschen finden.
Damit es sowohl für den Hund als auch seine neuen Menschen eine
möglichst – im positiven Sinne – bereichernde Beziehung wird, sollen
die neuen Partner und deren Umfeld zusammenpassen. Und so wie
potentielle neue Hundehalter bestimmte Bedingungen an den neuen
tierischen Mitbewohner stellen wollen, so hat auch der Hund
bestimmte Bedingungen und Ansprüche, die er in dieser Beziehung
fordert. Diese Bedingungen vertreten die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Tierheims an Stelle des Hundes. Um möglichst böse
Überraschungen auszuschließen, muss klar werden, wer das Tier
täglich, auch im Urlaub versorgt, wie und wo ist es untergebracht,
wer bringt die Zeit auf, ihm die nötige Bewegung und Beschäftigung
zu beschaffen, sind die Personen dem Tier gewachsen und umgekehrt,
sind sich die neuen Tierhalter über die finanziellen Folgen bewusst
und in der Lage, diese dauerhaft auf sich zu nehmen, sind Vermieter
und alle Familienangehörigen einverstanden, sind alle Beteiligten
bereit und in der Lage, ggf. vorhandene Eigenheiten gegenseitig zu
tragen usw. Manche mögen das als Schnüffelei in ihrer Privatsphäre
betrachten, für andere – insbesondere für den betroffenen Hund, hier
vertreten durch die Pfleger/innen – ist es das, wozu es gedacht ist,
nämlich eine Checkliste für die Überlegungen, die vor der
Anschaffung eines Tieres angestellt werden müssen. Und diese dienen
beiden Seiten der potenziellen künftigen Beziehung.
Die gegenseitigen Vorstellungen
weitgehend in Einklang zu bringen, also Menschen und Tiere zu
suchen, die letztlich tatsächlich zueinander passen, ist die
schwierige Aufgabe, die die Tierbetreuer/innen leisten müssen. Die
Tiere kennen sie im Regelfall, bezüglich der Menschen sind sie auf
deren Auskünfte und die eigenen Eindrücke angewiesen. Nicht immer
passen die gegenseitigen Vorstellungen zusammen. In diesen Fällen
entscheiden sich die Pflegerinnen im Sinne der Ansprüche des Tieres.
Immer wieder einmal gibt es
populistische Aussagen, in Tierheimen gäbe es überwiegend
problematische Hunde. Manche wollen dieses Vorurteil auch noch damit
wahrhaftiger erscheinen lassen, dass sie dies in Prozenten
ausdrücken. Bis zu 90 % werden da manchmal genannt. Normalerweise
sind solche Aussagen vor allem von Züchtern bekannt. Verständlich,
denn das ist deren Geschäft. Inzwischen schließen sich aber immer
wieder auch andere an. Ob aus demselben Grund sei dahingestellt. Das
einzige Kriterium, das für vielleicht um die 90 % (oder sogar mehr)
der Hunde zutrifft, ist die Tatsache, dass sie bereits erwachsen
sind. Das mag für manche schon ein Problemhund sein. Je nach
Interpretation kann man durchaus auch 100 % der Hunde als
Problemhunde sehen, nämlich dann, wenn die Mensch-Tier-Beziehung
nicht passt. Auch der Dackel wird möglicherweise in einer Familie,
die im 3. Stock wohnt zu einem Problem, ebenso wie vielleicht der 60
kg schwere Rottweiler-Mix beim 18-jährigen Auszubildenden. Deshalb
ist jeder Einzelfall zu betrachten, und wenn dort die jeweiligen
Interessen in Einklang zu bringen sind, beträgt die Problemquote 0
%. Die Tierpflegerinnen, die die Tiere vermitteln, versuchen, die
optimale Verbindung zwischen Mensch und Tier zu finden. Dazu sind
sie nicht nur rechtlich verpflichtet, dafür empfinden sie auch die
moralische Verantwortung.
Dieser Artikel wurde mir von H.
Lawo, 1. Vorsitzender Tierschutzverein Reutlingen zu Verfügung
gestellt, da es in allen Tierheimen dieselben Probleme gibt.
Manfred Wagner
Tierheimleiter/Dachau |